ZöR
Zeitschrift für öffentliches Recht

ISSN 0948-4396(Print)
ISSN 1613-7663 (Online)
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Abstract This contribution examines the epistemological foundations of legal monism, as theorized by the Vienna School of Jurisprudence and its leading proponents, in particular on the basis of its crucial elements: the Grundnorm, the hierarchy of norms, and the unity of the law. Subsequently, the theory of legal monism will be discussed and defended against dualism and pluralism by assessing its plausibility and explanatory power in describing the trigonal relationship between national law, European Union law, and public international law.

Zusammenfassung Dieser Beitrag untersucht die epistemologischen Grundlagen des rechtlichen Monismus im Sinne der Wiener rechtstheoretischen Schule und ihrer führenden Vertreter, insbesondere seine wesentlichen Elemente: die Grundnorm, den Stufenbau der Rechtsordnung und die Einheit des Rechts. Anschließend wird die Monismustheorie diskutiert und gegen Dualismus und Pluralismus verteidigt, indem ihre Plausibilität und Erklärungskraft hinsichtlich des Dreiecksverhältnisses von nationalem Recht, Unionsrecht und Völkerrecht beurteilt wird.

Zusammenfassung Die Frage nach der Einheit oder Fragmentierung des Völkerrechts stellt sich vor dem Hintergrund der Herausbildung von immer spezialisierteren Vertragsregimen. In Bereichen wie dem Umweltrecht, Wirtschaftsrecht oder den Menschenrechten etablieren sich Regime mit zunehmender Spezialisierung und eigenen Instrumentarien. Der Beitrag untersucht anhand der besonderen Vertragsregime Menschenrechte und Investitionsrecht, inwiefern die Einheit des Völkerrechts durch die Herausbildung solcher besonderer Vertragsregime bedroht ist. Wie verhalten sich die Regime zum allgemeinen Völkerrecht? Wie ist das Verhältnis der besonderen Vertragsregime zueinander? Hierfür wird die Rechtsprechung der im Rahmen der Regime errichteten Institutionen – konkret des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs und der Investitionsschiedsgerichte – analysiert. Die dabei vertretene These ist, dass der Umgang mit allgemeinem Völkerrecht generell unproblematisch ist und insofern keine Gefahr für die Einheit des Völkerrechts darstellt. Die Problematik der Fragmentierung zeigt sich demgegenüber insbesondere im Verhältnis der besonderen Vertragsregime untereinander.

Abstract The question of unity and fragmentation in international law is of growing relevance in view of the emergence of specialized treaty regimes. In areas such as international environmental law, international economic law and international human rights law, new specialized regimes are established with their own rules and institutions. The contribution examines on the basis of human rights and international investment law whether/to what extent the establishment of these specialized regimes threatens the unity of international law. What is the relation of the regimes to general international law? What is the relation of the specialized regimes among each other? For this, the case law of the European Court of Human Rights and international investment tribunals is analyzed. It is argued that the approach to general international law by the regimes’ institutions is usually unproblematic and does not pose a threat to the unity of international law. The problem of fragmentation rather becomes apparent in the relation of the specialized regimes amongst each other.

Zusammenfassung Die außergerichtliche rechtsverbindliche Bewältigung von Streitigkeiten zwischen einem ausländischen Investor und einem Gastland, die sich aus staatlichen Maßnahmen in Bezug auf dessen Kapitalanlagen ergeben, ist weder neu noch undemokratisch. Allerdings ergeben sich neue Fragen zum einen aus der seit 2009 auf Direktinvestitionen erweiterten Kompetenz der EU, vor allem bei der Einbeziehung in Freihandelsabkommen mit Industrie- und Schwellenländern. Zum anderen muss jedenfalls auf europäischer Seite jedes Vorhaben einer teilweisen Entstaatlichung der Streitbeilegung verfassungsrechtliche Einwände ausräumen bzw darf nicht unter ein rechtsstaatliches Minimum sinken.

Abstract Disputes between a foreign investor and a home country arising out of governmental measures taken in respect of foreign investments have been resolved by way of intergovernmental arbitration since several decades, and this way of dispute resolution outside of courts does not conflict with democratic principles. New issues, however, are discussed today one of them being the consequence of the extension of EU external commercial policy to direct foreign investment in late 2009 since investor-State dispute settlement provisions were inserted into comprehensive free trade agreements (to be) concluded between the Union and its member States and other industrial or emerging countries. On the other hand, at least in Europe treaty-making policies and procedures have to pay due respect to requirements of (internal) constitutional law because if dispute resolution would be partially privatized, such plans must not conflict with minimum standards of fair and impartial process which are also binding for States when acting at the international level.

Zusammenfassung Auf dem bisherigen Gipfel der Finanz- und Wirtschaftskrise entschloss sich die hellenische Regierung Ende Juni 2015, für den 05.07.2015 eine Volksabstimmung anzuberaumen. Gegenstand dieses Referendums sollte eine Fragestellung bezüglich des bis dato letzten Vorschlags technokratischer Maßnahmen seitens der Gläubigerinstitutionen des Landes (Europäische Kommission, Europäische Zentralbank, Internationaler Währungsfonds) sein. Die Fragestellung selbst wurde national und international kritisiert; auch das Referendum selbst erfuhr eine höchst zweigeteilte Rezeption. Es steht die Frage im Raum, ob Anberaumung und Durchführung der besagten Volksabstimmung mit den einschlägigen Vorgaben auf verfassungs- und einfachgesetzlicher Ebene der Dritten Hellenischen Republik übereinstimmten.

Abstract At – to date’s – top of the financial and economical crisis, the Hellenic Government decided at the end of June 2015 to announce and fix a referendum for 5th July 2015. As its object, the latest proposal of technocratic measures by the country’s creditors (European Commission, European Central Bank, International Monetary Fund) should be in question. The object itself experienced criticism, both nationally and internationally. Therefore it is questionable whether fixing and realization of the mentioned referendum met the relevant provisions on the constitutional and legal level of the 3rd Hellenic Republic.

Abstract 2014 stands out as a year in which only few – namely seven – judgments as well as four published inadmissibility decisions of the ECtHR in relation to individual applications against Austria are to be reported. In addition, the Austrian Government rather successfully defended itself before the Strasbourg Court, with only three judgments finding a violation of the Convention (all for excessive length of proceedings). However, in spite of the low number of cases decided in regard to Austria in 2014, the pattern of the “usual suspects” in terms of affected Convention rights – Articles 3 (regarding expulsion decisions based on the Dublin Regulation), 6, 8 and 10 – can still be observed.

Zusammenfassung Für das Jahr 2014 ist lediglich über wenige – nämlich sieben – Urteile und über vier veröffentlichte Unzulässigkeitsbeschlüsse des EGMR bezüglich Individualbeschwerden gegen Österreich zu berichten. Die österreichische Regierung verteidigte sich in Straßburg erfolgreich, insofern in bloß drei Fällen (allesamt überlange Verfahrensdauer betreffend) eine Konventionsverletzung festgestellt wurde. Trotz der niedrigen Zahl an 2014 in Bezug auf Österreich entschiedenen Fällen lässt sich das Muster der „üblichen Verdächtigen“ der betroffenen EMRK-Garantien – Artikel 3 (bezüglich auf der Dublin-Verordnung basierender Ausweisungsentscheidungen), 6, 8 und 10 EMRK – nach wie vor beobachten.

Zusammenfassung Mit dem folgenden Beitrag wird die Übersicht über die Rechtsprechung der österreichischen Höchstgerichte zur EMRK für das Jahr 2014 fortgeführt. Inhaltlich ist das Spektrum der Entscheidungen breit gefächert, einmal mehr lässt sich freilich ein besonderer Schwerpunkt auf Art 6 und 8 EMRK betreffende Fragestellungen ausmachen.

Abstract This contribution continues the survey on the jurisdiction of the Austrian Highest Courts with regard to the ECHR for 2014. With regard to content there is a wide range of decisions, nevertheless the focus is – comparable to previous years – related to Art 6 and 8 ECHR