ZöR
Zeitschrift für öffentliches Recht

ISSN 0948-4396(Print)
ISSN 1613-7663 (Online)
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Abstract Based on the international regulatory framework governing displacement and durable solutions, this paper aims to analyze the complex displacement situation in Bosnia and Herzegovina and to provide insights into the recent efforts towards ensuring durable solutions. In particular, this contribution outlines the gradual shift in policy from the initial strong push for return as the only option to a broader approach towards resolving the displacement issue. The case of post-conflict Bosnia and Herzegovina hereby illustrates the importance of a carefully conceptualized approach in order to ensure durabe solutions for refuees and Internally Displaced Perons (IDPs), in line with international standards. The paper concludes that in order to ensure that a solution is successful and durable, it needs to be based on a genuine choice by a displaced person between different options. In addition, state authorities at all levels and international actors need to work together to ensure sustainability of a durable solution. This implies a comprehensive approach to the resolution of an individual’s displacement situation, and the creation of circumstances conducive to guarantee, in a lasting manner, access to fundamental rights of the (formerly) displaced.

Zusammenfassung Vom Rahmen internationaler Standards ausgehend, analysiert dieser Beitrag die komplexe Vertreibungssituation in Bosnien und Herzegowina und stellt die jüngsten Versuche dar, eine dauerhafte Problemlösung zu erreichen. Insbesondere beleuchtet das Papier den langsamen Politikwechsel weg von der ursprünglichen Fixierung auf Rückkehr von Fluechtlingen und im eigenen Land Vertriebenen („Internally Displaced Persons“ – IDPs) hin zu einem ganzheitlicheren Ansatz zur Lösung der Vertriebenenfrage. Der Fall des Nachkriegs Bosnien und Herzegowina verdeutlicht dabei die Bedeutung einer sorgfältigen Herangehensweise im Einklang mit internationalen Standards für die Planung von Lösungen für Vertreibene. Der Beitrag kommt zu der Schlussfolgerung, dass erfolgreiche und dauerhafte Lösungen nur erreicht werden können, wenn diese den IDPs eine echte Wahl zwischen verschiedenen Lösungen erlauben. Staatliche Institutionen auf allen Ebenen sowie internationale Akteure müssen eng zusammen arbeiten, um die Grundrechte der (ehemals) Vertriebenen zu garantieren und zu realisieren.

Zusammenfassung Seit Juli 2010 führen die EU und die Vertragsstaaten der EMRK Verhandlungen über den Beitritt der Union zur EMRK, wie sie Art 6 Abs 2 EUV erfordert. Anfang April 2013 wurde eine Einigung auf Ebene der Verhandlungsführer auf den Text des Entwurfs eines Beitrittsvertrags sowie begleitender Instrumente, insbesondere eines „Erläuternden Berichts“ erzielt. Nach einer eingehenden Diskussion des status quo und insbesondere der Dichotomie zwischen mitgliedstaatlichem Haftungsdefizit durch den sukzessiven Ausbau der Unionskompetenzen und mitgliedstaatlichem Haftungsexzess durch eben diese Entwicklung kommt der Beitrag zu dem Schluss, dass der EMRK-Beitritt der Union strukturell der normativen Verbindlichkeit von Grundrechten einen weiteren, völkerrechtlichen Geltungsgrund hinzufügt und es den Konventionsorganen ermöglichen wird, die Beachtung der EMRK auch gegenüber der Union prozedural durchzusetzen. Dies wird zu einer verstärkten Kohärenz des Grundrechtsschutzes im „Grundrechtsraum Europa“ führen. Damit führt der EMRK-Beitritt der Union zu einer verstärkten Rückkopplung zwischen unionsautonomem Grundrechtsschutz einerseits und der Auslegung und richterrechtlichen Fortentwicklung der EMRK durch den EGMR andererseits.

Abstract Since July 2010 the EU and the countries that are contracting parties of the ECHR negotiate EU accession to the convention as stipulated by Art 6 (2) TEU. In April 2013, the negotiators agreed on a Draft Accession Treaty and accompanying documents, particularly an ‘Explanatory Report’. Setting out from an in-depth discussion of the status quo, touching especially on the dichotomy between the member states’ liability deficit caused by the ever expanding EU competencies and their excessive liability caused by the very same reason, this contribution concludes that the Union’s accession to the ECHR will result in a structural strengthening of the binding character of fundamental rights, allowing to the organs of the Convention to scrutinise and impose the adherence to the ECHR also vis-à-vis the EU. This will lead to a better coherence of fundamental rights protection in the ‘Fundamental Rights Area of Europe’. Thus, EU accession to the ECHR will lead to a stronger feedback between the autonomous fundamental rights protection of the Union on the one hand and the further development of the ECHR by the ECtHR on the other.

Zusammenfassung Der vorliegende Beitrag untersucht das Verhältnis zwischen Europäischem Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) und Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) in Staatenbeschwerdeverfahren, die auf der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) basieren. Im Schrifttum ist in diesem Zusammenhang die Meinung vertreten worden, dass aufgrund des Umstandes, dass mit dem EU-Beitritt zur EMRK letztere integraler Bestandteil des EU-Rechts wird, künftig die „Rechtsprechungsmonopole“ von EGMR und EuGH konfligieren könnten. Demgegenüber zeigt dieser Beitrag, dass keines dieser „Monopole“ absolut ist. Vielmehr wird herausgearbeitet, dass die Klauseln im Recht der EMRK und der EU, die beiden Gerichtshöfen vorderhand „ausschließliche“ Zuständigkeiten einzuräumen scheinen, so auszulegen sind, dass auch nach einem EU-Beitritt zur EMRK keine diesbezüglichen Normkonflikte für die EU und Mitgliedstaaten bestehen.

Abstract The EU’s accession to the European Convention on Human Rights raises a considerable number of legal issues. Several of these questions concern the complex relationship between the European Court of Human Rights in Strasbourg (ECHR) and the European Court of Justice in Luxembourg (ECJ), which forms part of the broader debate on the interrelationships between international courts and tribunals, and on the fragmentation of international law, more generally. In this context, the present contribution focuses on one fundamental systemic problem, which appears to have been misunderstood in parts of the academic literature, namely that of the interrelation between the ECHR and the ECJ in procedures dealing with state complaints. This cardinal issue goes at the heart of classic problems of legal theory and essential questions of European fundamental rights protection.