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perspektive mediation

ISSN 1814-3695 (Print)
ISSN 2309-7515 (Online)
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Überblick Bei internationalen und ethnopolitischen bzw. gewaltförmigen inter-Gruppen-Konflikten kommen Mediation und mediationsverwandte Konfliktbearbeitungsansätze in vielfältiger und jeweils modifizierter Weise zum Einsatz. Als Systematisierung der Interventionsebenen hat sich die Unterscheidung nach der gesellschaftlichen Ebene, auf der interveniert wird, eingebürgert – den sogenannten „Tracks“. Track 1 bezeichnet die Arbeit auf der Ebene von Regierungen bzw. den Führungseliten von (bewaffneten) nicht-staatlichen Akteuren; Track 2 die gesamtgesellschaftlich einflussreichen Kreise, während Track 3 die Arbeit auf der lokalen bzw. Grassroot-Ebene meint. Herausdifferenziert hat sich mit Track 1,5 in den letzten Jahren auch die informelle Dialogarbeit mit Regierungsvertretern und anderen Einflusspersonen auf der obersten Ebene. Die Systematik und typische Methoden jeder Ebene werden vorgestellt und einige der besonderen Herausforderungen benannt.

Überblick Bürgerkriege stellen eine große Herausforderung für die Mediation dar. Die Stimmen der Opfer werden oft überhört und die Bereitschaft der Konfliktparteien sich friedlich zu einigen ist in der Regel sehr gering, profitiert doch die Elite oft von Krieg. Dem begegnet ein umfassender Mediationsansatz, indem der Kreis der einbezogenen Phasen, Akteure und Themen erweitert wird. Das schweizerische Engagement im Sudan zeigt, wie wichtig langjährige Kontakte vor dem Beginn der eigentlichen Friedensverhandlungen sind, und dass Druck und Dialog komplementär sind. Doch auch Jahrzehnte nach dem Abschluss formeller Friedensverhandlungen ist Mediation und Fazilitation oft notwendig: Das Engagement der Schweiz in Guatemala verdeutlicht, dass durch den Einsatz von Mediation kriegsbedingte Konflikte transformiert werden können.

Überblick In ethnopolitischen Krisengebieten wie Sri Lanka, in denen die Gesellschaft nach mehr als 20 Jahren Bürgerkrieg tief gespalten ist, braucht es neben politischen Friedensabkommen auch Friedensförderung auf der Gemeindeebene. Ein beliebter, bislang jedoch wenig empirisch erforschter Ansatz ist die Einrichtung von lokalen Friedenskomitees, die die Menschen über die Konfliktgrenzen hinweg zusammenbringen und Konflikte schlichten. Mehrjährige Praxiserfahrung hat gezeigt, dass die in Sri Lanka entwickelten Ansätze den hohen Ansprüchen der zivilen Konfliktbearbeitung noch nicht genügen. Ihr Potential ist groß, aber professionelle Begleitung mit Einfühlungsvermögen in die lokalen und kulturellen Gegebenheiten sowie langfristiges Denken sind erforderlich, um nachhaltige Erfolge zu erzielen.

Überblick Der Artikel skizziert den Prozess und Einfluss der Wahrheits- und Versöhnungkommission in Südafrika seit 1996. Dabei wird ein Bezug zu den sozialen Konflikten und Dynamiken hergestellt, die seitdem sichtbar geworden sind, sowohl im öffentlichen Raum als auch eher ‘hinter den Kulissen’. Die Autorin beschreibt verschiedene Konflikt-Interventionen, die zeigen, wie in einer weiterhin von Gewalt und sozialer Ungerechtigkeit geprägten Situation formale Mediationsprozesse oft kurzlebig und wenig nachhaltig sind. Was gefragt ist, ist langfristig eine Vielzahl von parallelen, kreativen Prozessen, die von der Krisen-Intervention über nachhaltige institutionelle Transformation bis zu generationsübergreifenden Dialog- und Erinnerungsprojekten reichen.

Überblick Der folgende Beitrag stellt Brückenbau-Trainings vor, die wir Mitte der 90er Jahre im Auftrag von Schweizerischen und Österreichischen Einrichtungen der Flüchtlingshilfe entwickelten. Mediation und die Implementierung von Peermediation wurden mit Trauer- und Traumaarbeit verknüpft. Elemente aus dem Mediationstraining wurden an aktuell auftretenden Konflikten live überprüft, die Arbeit an Themen wie Vertrauen und Selbstwirksamkeit mit einzel- und gruppentherapeutischen Elementen unterstützt. Ein messbares Ergebnis der Trainings war, dass ein Großteil der Teilnehmenden die konfliktbelastete Situation in den Massenunterkünften besser bewältigen konnte, in denen auf engstem Raum Serben, Kroaten, Bosnier, Bosniaken und später auch Kosovo-Albaner zusammenlebten. Einige traten später selbst als Streitschlichter erfolgreich in Aktion, und zwar über die ethnischen Grenzen hinweg.

Überblick Nach fast zehnjährigem Bürgerkrieg (1989-1998) ist die südpazifische Insel Bougainville seit einigen Jahren Schauplatz erfolgreicher Friedensbildung. Dass Bougainville zu einer Erfolgsgeschichte von Friedenskonsolidierung werden konnte, liegt nicht zuletzt daran, dass ein Schwergewicht auf lokalen Friedensprozessen und auf traditionalen Formen der Konfliktbearbeitung lag. In diesem Zusammenhang waren Aspekte von Bedeutung, die in modern-westlichen Ansätzen eher vernachlässigt werden. Dazu zählen Versöhnung, Prozessorientierung, Kontextualität, wiederherstellende Gerechtigkeit, Partizipation und Inklusivität, Rituale und Zeremonien.

Überblick Um im frühen Konfliktstadium den Ursachen von Gewaltausbruch und gesellschaftlicher Destabilisierung entgegenzuwirken, wurde in Malawi im Jahr 2002 das Vorhaben „Forum für Dialog und Frieden“ ins Leben gerufen. Im Zentrum des Vorhabens steht die Institutionalisierung von Mechanismen, Instrumenten und Verfahren der Konfliktarbeit und des innergesellschaftlichen Dialogs. Kontext- und kulturangepasste Formen des Dialogs und der Mediation haben sich dabei als geeignete Mittel erwiesen, demokratische Verhaltensweisen zu etablieren, gesellschaftlichen Konsens herzustellen und den Ausbruch von Gewalt zu verhindern.

Überblick Nach der Annexion Südtirols durch Italien nach dem ersten Weltkrieg und nach faschistischer Unterdrückung wurden nach langen und zähen Verhandlungen Maßnahmen beschlossen, welche schrittweise zwischen 1972 und 1992 umgesetzt wurden, um das Überleben der deutschen und ladinischen Sprachgruppe zu sichern und eine Landesautonomie einzuführen, welche das friedliche Zusammenleben aller Bevölkerungsgruppen langfristig absichern sollten. Wenn Südtirol heute ein prosperierendes Land ist, so auch deswegen, weil rechtliche Bestimmungen das Zusammenleben der Volksgruppen detailliert regeln, um jedem das Gefühl zu geben, gerecht behandelt zu werden.