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Berücksichtigung im Bundesstaat

Kennt die österreichische Verfassung eine Interessenberücksichtigung zwischen Bund und Ländern?

Schriften zum österreichischen und europäischen öffentlichen Recht
Band 13

221 Pages
ISBN 978-3-7046-7697-9 (Print)
ISBN 978-3-7046-7825-6 (eBook)
Publicationdate: Aug 3, 2017
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https://elibrary.verlagoesterreich.at/book/99.105005/9783704678256
Kritische Reflexion der höchstgerichtlichen Rechtsprechung
In seiner gefestigten Kompetenz-Judikatur ermächtigt und verpflichtet der Verfassungsgerichtshof Bund und Länder zu wechselseitiger Berücksichtigung im Rahmen ihrer Kompetenzausübung. Dabei entbehrt die Verfassung der ausdrücklichen Verankerung solcher Instrumente. Dies verlangt nach einer kritischen Reflexion der höchstgerichtlichen Rechtsprechung. In diesem Sinne wird die dargelegte Judikatur anhand der österreichischen Verfassungsordnung untersucht und der Frage nachgegangen, inwieweit das geltende Verfassungsrecht tatsächlich ein Berücksichtigungsprinzip höchstgerichtlicher Prägung vorsieht. Soweit sich ein solches nicht im Interpretationsweg aus der Verfassung erschließen lässt, erweist sich die Rechtsprechung des Verfassungsgerichtshofes als unzulässige - weil dem Verfassungsgesetzgeber vorbehaltene - Rechtsfortbildung.
  • Vorwort5-7
  • Inhaltsverzeichnis7-13
  • Abkürzungsverzeichnis13-17
  • Verzeichnis der abgekürzten Rechtsvorschriften17-25
  • Einleitung25-29
  • Erster Teil: Methodische Vorbemerkungen29-43
    • I. Interpretationsmethoden und ihre Bedeutung29-32
    • II. Besonderheiten der Verfassungsinterpretation32-42
      • A. Die Versteinerungsmethode32-38
        • 1. Allgemeines32-35
        • 2. Wesen der Versteinerungsmethode35-36
        • 3. Zum Versteinerungszeitpunkt36-37
        • 4. Zum Versteinerungsmaterial37-37
        • 5. Interpretatorische Grenzen der Versteinerungsmethode37-38
      • B. Interpretatorische Heranziehung des V-ÜG 1920 als Ausdruck des historischen Kompetenzverständnisses38-41
        • 1. Allgemeines38-39
        • 2. Positiv-rechtliche Normenrezeption als Ausdruck des historischen Kompetenzverständnisses39-40
          • 2.1. Die Rechtsüberleitung 192039-40
          • 2.2. Konsequenzen40-40
        • 3. Conclusio40-41
        • 4. Verhältnis zur Versteinerungsmethode41-41
      • C. Interpretatorische Bedeutung systemimmanenter Verfassungsgrundsätze41-42
    • III. Bedeutung für den weiteren Gang der Untersuchung42-43
  • Zweiter Teil: Die kompetenzrechtliche Gleichstellung von Bund und Ländern als Ausgangsprämisse43-53
    • I. Spiegelbildliche Antragsbefugnisse vor dem VfGH zur Bekämpfung kompetenzwidriger Akte44-48
      • A. Spiegelbildliche Antragsbefugnisse zur präventiven Normenkontrolle gem Art 138 Abs 2 B-VG45-46
      • B. Spiegelbildliche Antragsbefugnisse zur Bekämpfung kompetenzwidriger Gesetzgebungsakte gem Art 140 B-VG46-48
    • II. Gleichwertige Bestandskraft von Bundes- und Landesgesetzen48-51
    • III. Bedeutung für den weiteren Gang der Untersuchung51-53
  • Dritter Teil: Die Berücksichtigungsbefugnis53-117
    • I. Stand der Rechtsprechung53-61
      • A. Befugnis zur Berücksichtigung öffentlicher Zwecke53-55
      • B. Befugnis zur Berücksichtigung öffentlicher Interessen55-58
      • C. Weitere von der Lehre der Rechtsprechungs-Linie zugezählte Erkenntnisse58-60
      • D. Höchstgerichtliche Annahme einer im Versteinerungsmaterial grundgelegten Unterscheidung zwischen Regelung öffentlicher Zwecke bzw Interessen und deren bloßer Berücksichtigung60-60
      • E. Kritische Würdigung der höchstgerichtlichen Judikatur60-61
    • II. Stand der Lehre61-66
    • III. Rechtsdogmatische Begründung66-113
      • A. Die kompetenzrechtliche Bedeutung öffentlicher Zwecke bzw Interessen als Ausgangslage66-70
        • 1. Allgemeines66-68
        • 2. Konsequenzen für die Vollziehung68-69
        • 3. Conclusio69-70
      • B. Begrenzte Begründungskapazität des Art 15a B-VG70-71
      • C. Ableitung aus Art 10–15 B-VG71-86
        • 1. Die Berücksichtigungsbefugnis im Lichte einer am Wortlaut der Art 10–15 B-VG orientierten Interpretation72-80
          • 1.1. Der Trennungsgrundsatz als leitende Prämisse des Kompetenzrechts72-78
            • 1.1.1. Zum Grundsatz getrennter Gesetzgebungsbereiche72-73
            • 1.1.2. Zum Grundsatz getrennter Vollziehungsbereiche73-75
            • 1.1.3. Zur Kompetenzabgrenzung auf Gesetzgebungsebene75-77
            • 1.1.4. Zur Kompetenzabgrenzung auf Vollziehungsebene77-78
          • 1.2. Die Berücksichtigungsbefugnis im Lichte des so verstandenen Trennungsgrundsatzes78-78
            • 1.2.1. Verfassungsrechtliche Ausgangslage78-78
            • 1.2.2. Zum Wesen berücksichtigender Normen78-80
        • 2. Die Berücksichtigungsbefugnis im Lichte einer historischen Interpretation80-85
          • 2.1. Exemplarische Bestandsaufnahme der historischen Rechtslage80-81
          • 2.2. Bedeutung der Rechtsüberleitung 192081-81
          • 2.3. Materiell-rechtlicher Gehalt der historischen Rechtslage81-84
            • 2.3.1. Stand in Rechtsprechung und Lehre81-83
            • 2.3.2. Bewertung der historischen Rechtslage83-83
            • 2.3.3. Bewertung der historischen Rechtslage im Lichte der dargelegten Bedeutung öffentlicher Interessen83-84
            • 2.3.4. Bewertung der historischen Rechtslage im Lichte der Art 10–15 B-VG84-85
          • 2.4. Konsequenzen für die historische Ableitung der Berücksichtigungsbefugnis85-86
      • D. Konsequenzen und Reichweite der Zulässigkeit einfach-gesetzlicher Berücksichtigung86-111
        • 1. Die Bedeutung des § 38 AVG zur Wahrung der exklusiven Vollzugskompetenzen86-104
          • 1.1. Stand in Rechtsprechung und Lehre86-91
          • 1.2. Zur Bedeutung des § 38 AVG91-103
            • 1.2.1. Hauptfragen iSd § 38 AVG als Hauptfragen iSd § 59 AVG94-95
            • 1.2.2. Hauptfragen iSd § 59 AVG95-100
            • 1.2.3. Konsequenzen der Unterscheidung von Hauptfragen und sonstigen Rechtsfragen für die vorliegende Untersuchung100-101
            • 1.2.4. Änderung des Vorfragen-Konzepts durch den einfachen Materiengesetzgeber101-102
            • 1.2.5. Vorfragen-Konzept und Verwaltungsgerichtsbarkeit102-103
            • 1.2.6. Conclusio103-104
        • 2. Das tatbestandliche Anknüpfen an kompetenzfremde individuelle Vollzugsakte als zulässige Form der Berücksichtigung104-107
          • 2.1. Stand in Rechtsprechung und Lehre105-106
          • 2.2. Das tatbestandliche Anknüpfen an kompetenzfremde individuelle Vollzugsakte aus kompetenzrechtlicher Sicht106-107
        • 3. Die Gesetzgebung als Produkt einer antizipierten Interessenberücksichtigung ohne Bezugnahme auf kompetenzfremdes Recht107-109
        • 4. Verfassungsrechtliche Beurteilung ausgewählter Berücksichtigungsphänomene der geltenden Rechtslage109-109
          • 4.1. Berücksichtigungsphänomene in der geltenden Rechtslage109-111
          • 4.2. Verfassungsrechtliche Würdigung der einfach-gesetzlichen Berücksichtigungsphänomene111-113
    • IV. Zwischenresumé113-117
  • Vierter Teil: Die Rücksichtnahmepflicht117-197
    • I. Stand der Rechtsprechung117-150
      • A. Ansätze der bundesstaatlichen Rücksichtnahmepflicht in der Rechtsprechung des VfGH117-118
      • B. Grundlegung der bundesstaatlichen Rücksichtnahmepflicht durch VfSlg 10.292/1984118-119
      • C. Wesensmerkmale der Rücksichtnahmepflicht iSv VfSlg 10.292/1984119-122
        • 1. Verbot von (sachlich nicht gerechtfertigten) Effektivitätsbeeinträchtigungen119-121
        • 2. Kompetenzkonforme Zuständigkeitsausübung als Voraussetzung der Rücksichtnahmepflicht121-121
        • 3. Wechselseitigkeit der Rücksichtnahmepflicht121-121
        • 4. Lösung des Falles unter Anwendung der aufgestellten Prämissen121-122
      • D. Verfassungsdogmatische Begründung der bundesstaatlichen Rücksichtnahmepflicht in VfSlg 10.292/1984122-123
      • E. Weiterentwicklung der bundesstaatlichen Rücksichtnahmepflicht in der nachfolgenden Judikatur des VfGH123-142
        • 1. Einfach-gesetzlich verursachte Interessenkonflikte als Voraussetzung der bundesstaatlichen Rücksichtnahmepflicht123-125
        • 2. Interessenkonflikte ohne einfach-gesetzliche Verursachung als Voraussetzung der bundesstaatlichen Rücksichtnahmepflicht125-127
        • 3. Abrücken von der Prämisse der Wechselseitigkeit127-137
          • 3.1. Begründungsloses Abrücken von der Prämisse der Wechselseitigkeit127-131
          • 3.2. Abrücken von der Prämisse der Wechselseitigkeit unter Verneinung der Präjudizialität131-132
          • 3.3. Abrücken von der Prämisse der Wechselseitigkeit infolge höchstgerichtlicher Interessengewichtung132-137
          • 3.4. Abrücken von der Prämisse der Wechselseitigkeit bei einseitiger Rücksichtnahme in Form beschränkter Anwendungsbereiche137-142
      • F. Kritische Würdigung der höchstgerichtlichen Judikatur142-149
        • 1. Zur Interessenmanifestation im Rahmen der bundesstaatlichen Rücksichtnahmepflicht143-145
          • 1.1. Wechselbeziehung zwischen gesetzlichen Vorschriften und Interessenmanifestation143-145
          • 1.2. Bedeutung von Verordnungen im Rahmen gesetzgeberischer Interessenmanifestation145-145
        • 2. Zu Interessenausgleich und Interessengewichtung im Rahmen der bundesstaatlichen Rücksichtnahmepflicht145-147
        • 3. Zu Ein- und Wechselseitigkeit im Rahmen der bundesstaatlichen Rücksichtnahmepflicht147-149
        • 4. Zu Sicherstellung einer ausgewogenen Kompetenzausübung und Konfliktvermeidung bzw -lösung im Rahmen der bundesstaatlichen Rücksichtnahmepflicht149-150
    • II. Stand der Lehre150-158
    • III. Rechtsdogmatische Begründung158-196
      • A. Zum Wesen der beanstandeten Konflikte158-162
        • 1. Fehlen echter Normenkonflikte158-160
        • 2. Bundesstaatliche Interessenkonflikte160-162
      • B. Die Art 10–15 B-VG als gesichtspunkteweise Kompetenzermächtigungen162-184
        • 1. Stand der Rechtsprechung162-173
          • 1.1. Inhaltsermittlung kompetenzrechtlicher Gesichtspunkte163-165
            • 1.1.1. Allgemeines163-164
            • 1.1.2. Die Bedeutung der Regelungszwecke für die Inhaltsermittlung kompetenzrechtlicher Gesichtspunkte164-165
          • 1.2. Konsequenzen der Gesichtspunktetheorie: „Weder-Noch-Materien“ und „komplexe Materien“165-166
          • 1.3. Einzelfallbezogene Judikatur166-173
        • 2. Stand der Lehre173-177
        • 3. Rechtsdogmatische Begründung177-183
          • 3.1. Gesichtspunkteweise Regelungstechnik vorrepublikanischer Rechtsvorschriften178-180
          • 3.2. Konsequenzen aus der Rechtsüberleitung 1920180-181
          • 3.3. Verhältnis des Auslegungsergebnisses zum Grundsatz getrennter Kompetenzen gem Art 10–15 B-VG181-183
        • 4. Conclusio183-184
      • C. Bundesstaatliche Interessenkonflikte im verfassungsrechtlichen Gesamtzusammenhang184-195
        • 1. Ausgangslage184-185
        • 2. Bestimmungen zur Koordination im Bereich der Gesetzgebung185-194
          • 2.1. Paktierte Gesetzgebung185-186
          • 2.2. Wechselseitige Zustimmungsrechte von Bund und Ländern zu Gesetzgebungsakten der jeweils gegenbeteiligten Gebietskörperschaft186-187
          • 2.3. Mitwirkungsbefugnisse des Bundesrates und der Bundesregierung an der Gesetzgebungstätigkeit der jeweils gegenbeteiligten Gebietskörperschaft187-191
          • 2.4. Mitwirkung der Länder an der Gesetzgebung des Bundes191-192
            • 2.4.1. Vergaberechtsgesetzgebung des Bundes gem Art 14b Abs 4 B-VG191-191
            • 2.4.2. Erlassung der Verwaltungsgerichtsverfahrensgesetze durch den Bund gem Art 136 Abs 2 B-VG191-192
          • 2.5. Gliedstaatsverträge gem Art 15a B-VG192-193
          • 2.6. Koordinierte Haushaltsführung gem Art 13 Abs 2 B-VG193-194
        • 3. Gesamthafte Würdigung der untersuchten Bestimmungen194-195
        • 4. Conclusio195-196
    • IV. Zwischenresumé196-197
  • Zusammenfassung und Ergebnis197-205
  • Literaturverzeichnis205-221
  • Über die Autorin221--1
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